Montag, der 19.08.2013; Wir erreichen nach 114 Tagen die Küstenstadt Travemünde, wo wir zusammen mit Karl-Josef am 27.04.2013 mit der Fährüberfahrt nach Priwall unsere Ostseeumrundung gestartet haben

Bild des Benutzers Jürgen

Viele Bilder erwarten euch heute am letzten gemeinsamen Tag unserer Ostseeumrundung!
Eine reichliche Auswahl zum Frühstück bietet uns heute morgen die JH Scharbeutz. Heiner freut sich, da es auch Kakao zu seinem Kaffee gibt. Nur ein Frühstücksei fehlt nach seiner Meinung. Wir sortieren noch einmal Sachen aus, die wir Hendrik mitgeben möchten, der bereits am kommenden Sonntag aus beruflichen Gründen alleine nach Hause fahren muss. Den verbliebenen, aber nicht funktionierenden Kocher, das große Zelt und einige andere Teile werden in Tüten gepackt, die wir bei Kathrin und Hendrik noch vorbeibringen. Ja und bei diesem Besuch passiert etwas, was ich gerne schon viel früher gesehen hätte. Heiners fast immer getragenes Werbetrikot seines früheren Arbeitgebers erhält von Wiebke einen großen „Glücksklecks“ aufgedrückt, was ihn nun zuletzt doch noch zwingt, sein zweites Trikot mit Schweizer Werbeaufdrucken anzuziehen. Mit diesen Trikots konnte Heiner sich immer gut vom Outfit der angetroffenen Reiseradler absetzen. Eine besonders interessante Variante war eine Kombination mit einer olivfarbenen Zipphose. Wir verabschieden uns von den jungen Eltern Kathrin und Hendrik und fahren wieder die Küstenpromenade von Scharbeutz, Timmendorfer Strand und Niendorf weiter. Vor Travemünde geht es noch eine kurze Strecke an einer Steilküste entlang, dann noch durch ein Waldgebiet und schon stehen wir im Hafen von Travemünde. Die Anlegestelle des Fährbootes rüber nach Priwall schließt unseren Kreis der Ostseeumrundung. Der Kilometerzähler zeigt 7.341 km, wobei hier auch die Anfahrt von Lübeck mit enthalten ist. Wir sind überglücklich, dass wir gesund und ohne große Blessuren diese gewaltige Strecke überstanden haben. Hier und jetzt nach 114 Tagen ist die Ostseeumrundung zu Ende. Natürlich sind wir in Gedanken bei unserem Radkollegen Karl-Josef, den das Pech direkt zweimal erwischt hat. Wegen einer gesundheitlichen Vorsichtsmaßnahme musste er in Danzig für kurze Zeit nach Hause, stieß aber Gott sei Dank in Kaliningrad vor der Überquerung der Kurischen Nehrung wieder zu uns und setzte die Reise mit vollem Engagement fort und war für uns eine ganz wichtige Unterstützung bei unserem Abenteuer. Nach einem kapitalen Rahmenschaden am Fahrrad musste er, wie er selber ja berichtet hat, die Tour 50 km vor der dänisch-deutschen Grenze leider abbrechen. Natürlich können wir uns gut in seine Situation hineinversetzen, welcher Ärger und welch tiefe Enttäuschung sind damit verbunden, wenn man so kurz vor dem Ziel aufgeben muss. Auch für uns ist es bitter, nach all den Strapazen und wunderbaren Begegnungen und Erlebnissen nicht gemeinsam ins Ziel zu kommen. Als ich mittags mit Karl-Josef telefoniere, muss ich schon schlucken und er gesteht, dass ihm zum Heulen sei. Wir vereinbaren dann, dass wir da wo wir sind, auf das Wohl des jeweils Anderen trinken. Eine kurze Strecke von etwa 25 km geht es dann noch von Travemünde bis nach Lübeck. Unterwegs müssen wir mit einem Shuttlebus einen Tunnel unter die Trave unterqueren und treffen hier auf eine weitere Abenteuerin. Lovisa ist bereits über 800 km zu Fuß, aus einem Vorort von Stockholm auf dem Jakobsweg unterwegs und hofft, im Dezember ihr Ziel in Santiago de Compostela zu erreichen. Natürlich erhält sie unsere Adressen, falls sie in Köln eine Unterkunft benötigt. Unser Weg in Lübeck geht unmittelbar zum Marktplatz der Altstadt. Aufmerksame Leser des ersten Tages werden erraten, wo es uns hinzieht. Aber Halt, zunächst brauchen wir etwas Herzhaftes. Da wir uns ja auskennen in Lübeck gehen wir − wie beim Beginn unserer Reise − wieder in den Ratskeller. Diesmal ziehen wir jedoch die Außengastronomie vor. Ein großes Bier ist zur Feier des Tages natürlich unabdingbar. Zum Essen bestellt Heiner etwas Fischiges, während ich etwas Fleischiges bevorzuge. Meine nicht ganz ernst gemeinte Frage an eine nette Serviererin, ob denn der Ratskeller zur Belohnung ein Bier spendiert, da wir ja vor knapp 4 Monaten hier unsere Ostseeumrundung gestartet haben, bleibt zunächst noch unbeantwortet. Zum Schluss des Essens bringt uns Hanka, die aus Tschechien stammt, dann doch noch jedem ein leckeres Glas Bier auf die tolle Leistung. Nun wird sich vielleicht der eine oder andere fragen, was gab es zum Nachtisch. Die kulinarische Attraktion von Lübeck ist … wer es noch nie probiert hat, kann noch viel entdecken! Ja, es ist das Niederegger Marzipaneis! Und dafür wechseln wir vom Ratskeller ins Niederegger-Café. Im Salon finden wir gerade noch einen kleinen Tisch, an dem wir uns niederlassen. Aber was entdecken wir auf der Karte? Es gibt auch Niederegger Marzipan-Milchkaffee, den wir natürlich sofort auch probieren müssen. Bitte erlaubt mir unsere Bestellungen zu zitieren! Heiner: Knuspertrüffeleis mit 3 Kugeln, bestehend aus Marzipan-, Mandel- und Nougateis mit einer Sahnehaube. Jürgen: Lübecker Eisportion, bestehend aus Marzipaneis auf frischer Baumkuchenscheibe, eine Sahnehaube mit Eierlikör und gerösteten Mandeln. Nun, wem jetzt noch nicht das Wasser im Mund zusammengelaufen ist, versteht nicht, wie es Nordlandfahrern nach so langer Zeit der Entbehrung ergeht. Übrigens waren wir danach „pickepackesatt“. Danach begleite ich Heiner noch zum Lübecker Hauptbahnhof und verabschiede mich von meinem treuen Radelpartner, der mich geduldig die gesamte Zeit ertragen hat. Da Heiner zum ersten Mal überhaupt eine solche Fahrradreise gemacht hat (lassen wir die Trainingswoche entlang der Ruhr einmal beiseite), kann ich nur mit Bewunderung seine Energie und sein Durchhaltevermögen loben. Er fährt nun nach Berlin, wo seine Enkelin Geburtstag feiert. Dort wird auch Ulrike sein, mit der er dann nach Meerbusch wieder zurück fährt. Seit geraumer Zeit überlege ich, auch noch bis Köln zurück zu radeln. Ich hatte im Laufe des Tages für mich entschieden, noch eine Nacht in Lübeck zu bleiben und gehe daher ins Touristenbüro, um mich für die Rückreise beraten zu lassen. Ich komme mit einer netten Kenianerin ins Gespräch, die hier Besucher berät. Natürlich frage ich sie ein wenig über Afrika aus und wie lange sie schon hier in Deutschland lebe, da sie unsere Sprache schon gut beherrscht. Sie lebe seit 4 Jahren in Deutschland, habe aber vorher Deutsch an einem Goethe-Institut gelernt. Wir amüsieren uns, als ich ihr meinen Eindruck mitteile, dass Afrika alleine durch die Kraft und den Willen der Frauen aufgebaut werden kann, was sie lachend bestätigt und mir einige Beispiele hierfür aufzählt. Ich kaufe noch einen Radreiseführer über die Salzstraße von Lübeck bis Lüneburg. Danach suche ich die Jugendherberge in der Altstadt auf, wo ich noch das letzte freie Einzelzimmer erwische, allerdings auf dem vierten Stock. Ich bin froh, dass ich meine Taschen mit den Kochutensilien und das Zelt in der Rezeption lassen kann und nicht auch noch hochschleppen muss. Mit der ungewohnten Situation des Alleinseins, lege ich mich erst einmal aufs Bett, breite meine Straßenkarten aus und überlege, wie es morgen weiter gehen soll. Ich entdecke, dass es einen Stadtteil von Lübeck gibt, der St. Jürgen heißt. Da wird es dann sicher auch eine Kirche geben, die ich dann auch als Symbol auf einem Stadtplan finde. Dies wird morgen früh meine erste Anlaufstelle werden. Meine am Morgen geschmierten Brote reichen mir zum Abendessen. Eigentlich möchte ich abwarten, bis es dunkel wird und dann mit Kamera und Fotostativ noch einige Nachtaufnahmen von Lübeck machen gehen. Aber es fängt ziemlich heftig an zu regnen und so setze ich mich hin und bereite weitere Blogs vor. Erst nach 24:00 Uhr hört der Regen auf, aber da liege ich schon schlaftrunken im Bett und … ja, … ich vermisse etwas die Begleiterscheinungen von Heiners Schlaf.

Tags: