Montag, der 10. Juni 2013 von Turku bis Mariehamn auf Åland Ca. 150 km; 42 km davon mit dem Rad

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Nachdem die edle treue Muse Maresi im Chor mit dem kleinen Häwelmann „Mehr, Mehr!“ ruft und auch der Alchemist, Philosoph und Dichter Gilbert persönlich zugestimmt und uns mit einem schönen Gedicht erfreut hat, möchte ich in der mir äußerst ungewohnten Rolle versuchen fort zu fahren, denn vor allem die Mütter – vor allem auch meine liebe Gattin Ulrike – sind doch im Märchenerzählen die eigentlichen Meister.
Heute wird es aber nur ein kurzes Märchen:
Also trug es sich weiter zu im finsteren Finnland, dass die Ritter von der wilden Gestalt nächtigten auf ihren harten Lagern nahe Galtby auf der Insel Korpo und bereits sehr zeitig um 4 Uhr in der Früh in großer Kälte aufstehen mussten, um die Fähre ganz in der Nähe Richtung Åland zu erreichen. Fast alle Glieder waren steif gefroren, als sie sich in die engen Drahteselrüstungen zwängen mussten. Die erste Fähre überwand um 5:15 Uhr eine kleine Meerenge und dann hatten die drei stolzen Ritter noch ca. 10 km nach Korpo zu reiten. Überall lag der Tau noch frisch auf den Wiesen und Feldern und die aufgehende Sonne kämpfte noch vergeblich gegen die aufsteigenden Nebel an. So sehr die edlen Ritter auch nach links und rechts schauten, so sahen sie doch weder einen Wolf, einen Elch noch einen Bären. Und das begab sich so: Der Fuchs, mit dem die Ritter am Vortage höflich einen Gruß gewechselt hatten, war flugs unterwegs und hatte allen Tieren im Wald von dem hohen Besuch der Rittersleut aus dem Abendlande Kunde getan. Der Wolf hatte noch Magenweh vom Verspeisen des letzten Ritters, denn obwohl ja Eisen gut für die Verdauung sein soll, hatte er doch zu viel davon schlucken müssen. Der Bär war schon so in die Jahre gekommen, dass er sich nicht mehr zutraute, drei auf einen Streich zu nehmen und die Elche fürchteten um ihre wohl behüteten Töchter. Nur die Häschen und Rehe sind vor dem Fuchs davongelaufen. Oft hatte er sie nämlich bereits ganz höflich zum Mittagessen eingeladen und sie konnten währenddessen nur knapp mit dem Leben davon kommen. Diese staunten nun am Wegesrand nicht schlecht, als sie die stolzen Ritter vorbeireiten sahen und erzählten sich nachher in einem geheimen Versteck im Walde ihre Ruhmestaten.
6:20 Uhr geht es endlich los Richtung Åland über Kökav und Sattunga nach Langnös. Erst mal wird auf der Fähre ordentlich gefrühstückt. Den zweiten Kaffee gibt´s für nur 50 Cent. Da wird ordentlich hin gelangt. Die Fähren sind in Finnland alle für Personen kostenlos. Räder kosten erst ab Ende Juni 5 Euro. Sie fahren von den Delfinen gezogen über 30 km/h schnell. Es wird geschlafen und noch am Blog geschrieben. Kurz nach Abfahrt beginnt ein Dauerregen, der auch bei Ankunft ca 13:00 Uhr in Langnös für die edlen Ritter nicht aufhören will. Dann geht es weiter im Regen nach Mariehamn. Dort will Altknappe Jürg, mittlerweile von Altritter Karl dem Schönen, Graf von Ellenburg, zum Jungritter Jürg der Streng, Abt von Königsdorf befördert - , noch einkaufen, weil er heute Abend sich die Ehre geben will, zu kochen. Jedenfalls kauft er das ganze schön gehäckselte Fleisch, das das Geschäft den edlen Rittern anbieten kann. Jungritter Jürg der Strenge, Abt von Königsdorf, ehemals Altknappe der Treiber, hat aber leider die Rechnung ohne die Wirtin des Hostels gemacht, das wir gegen 16:00 Uhr erreichen. Es gibt dort nämlich keine Kochgelegenheit für die Gäste. Wir essen Brot mit Aufschnitt, planen den Weiterritt und Ritter Hein der Träumer erlaubt sich danach noch zu lesen und Oldies mit iPod zu hören.
Als Nachspann noch unser heißer Tipp des Tages:
Kommt ihr nach Colonia Agripina, verehrte edle Rittersleute , dann müsst ihr einkehren um 18:00 Uhr (außer Mo.!) in Groß Sankt Martin. Dort könnt ihr engelsgleiche Gesänge der Fraternites Monastiques de Je´rusalem hören und den Himmel „inmitten von Unordnung und Unvollkommenheit erleben“ (R. Rohr).

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